Ahnengespräche

3. September 2009

Vor kurzem hatte ich wieder ein Ahnengespräch.

Das ist eine Arbeit, die ich sehr gern mache, weil sie oft unmittelbare Erleichterung für den Klienten bringt und lange angestaute Emotionen schnell wieder ins Gleichgewicht bringen kann.

Ein Ahnengespräch ist ein Gespräch mit einem gestorbenen Verwandten (es können natürlich auch Freunde  oder andere Menschen sein).

Es dient vor allem dazu, Dinge klären und abschließen zu können, die noch offen sind. Die nicht geklärt werden konnten, als die betreffende Person noch lebte. Entweder, weil sie plötzlich starb oder weil die Beteiligten nicht miteinander reden konnten oder wollten.

Es kommen auch Gespräche mit Ahnen vor, die mehrere Generationen zurückliegen, so dass der Klient die Person nie kennengelernt hat.

Im aktuellen Fall hatte der Klient eigentlich ein Engelgespräch angefordert. Während dieser Arbeit (die ich meist zu Hause direkt am Laptop mache) hatte ich einen Mann wahrgenommen, der mir zu verstehen gab, dass er meinem Klienten sehr dringend etwas mitzuteilen habe. Ich versprach ihm, mich darum zu kümmern. Mein Gefühl sagte mir, dass das der Vater des Klienten sein könnte.

Der Klient bestätigte das später – er war noch ein Baby, als sein Vater bei einem Unfall starb.

Bei der Sitzung teilte der Vater seinem Sohn einige sehr persönliche Dinge mit, die hier nicht hergehören. Der Sohn, der zur Zeit in einer Situation steckt, in der alles etwas zu stagnieren scheint, hatte erwartet, von seinem Vater “Schimpfe zu kriegen”, wie er sich ausdrückte. Weil er sich selbst gerade so sieht in seiner Situation.

Umso erstaunter und gerührter war er, als sein Vater ihn um Verzeihung bat, weil er ihn nicht hatte begleiten können – und ihm sagte, wie stolz er auf ihn sei und dass er ihn liebe. Es war schon ziemlich ergreifend und der Klient ging strahlend und mit neuem Mut aus der Tür.

Natürlich gibt es auch dramatische Fälle, in denen es nicht so harmonisch zugeht. Wenn der Gestorbene ein Verwandter ist, unter dem der Klient gelitten hat – Gewalt, Missbrauch, Alkohol -, ist das schwieriger. Es kommt vor, dass der Gestorbene um Verzeihung bittet, der Klient aber nicht bereit ist, obwohl ihm selbst das auch eine sehr große seelische Freiheit geben könnte.

In diesen Fällen muss man eventuell mehrere Gespräche führen, aber ich habe bisher noch keinen Fall erlebt, in dem es nicht zumindest teilweise zu einer Annäherung kam.  Zumindest ein Verständnis für die Situation des anderen haben wir bisher immer erreicht.

Ich liebe diese Arbeit, wirklich.

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